Machu Picchu – Der billige, adrenalingeladene Weg
Viele Wege führen nach Rom. Fast genauso viele führen nach Machu Picchu. Mit dem Zug, mit dem Bus, mit dem Fahrrad oder zu Fuß auf vielen verschiedenen Tracks. Egal für welchen Weg man sich entscheidet, sie sind (fast) alle sehr ähnlich. Absolut sehenswert, aber auch leider absolut überteuert. Wir haben eine billige und nicht weniger schöne Alternative gefunden.
Eigentlich wollten wir den wohl bekanntesten Weg zum Machu Picchu bestreiten, den Inka Trail. Leider muss man diesen aber Monate im voraus buchen, zahlt mehrere hundert Dollar und läuft anschließend mit 500 anderen Leuten in einer langen Schlange zum Machu Picchu. Option zwei ist der Zug. Der kostet für die paar Kilometer immer noch 80 Dollar von Cusco bis zum Machu Picchu. Was tun? Es gibt noch eine andere Möglichkeit.
Von Ollantaytambo aus fahren wir mit dem Linienbus bis nach Santa Maria. Linienbus heißt zwar, dass der hier regelmäßig fährt, wann genau, das weiß aber keiner. So zwischen 5 und 9 Uhr morgens. Wir warten also am Dorfplatz und beobachten das rege Treiben. Die Busfahrt wird dann etwas anstrengender als geplant. In Serpentinen geht es über hohe Pässe und im großen Bogen um den Machu Picchu herum. Das ganze natürlich wie so oft stehend zusammen mit einem Haufen Peruanern.
Santa Maria ist eigentlich kein Dorf, sondern ein paar Häuser an einem Feldweg. Es ist heiß und staubig und wir finden einen netten Kerl, der uns zusammen mit einigen Coca-Farmern nach Santa Theresa fährt. Wenn man auf die Landkarte schaut, befinden wir uns gerade hinter Machu Picchu und genau so fühlt es sich auch an. Das einzige „Highlight“ in diesem kleinen Kaff sind die heißen Quellen und die sind bei der letzten Flut im Februar leider weggespült worden. Trotzdem lohnt es sich hier her zu kommen.
Am nächsten Morgen machen wir uns auf zur „Coca de Mono Zipline“. Insgesamt 2,5 Kilometer dünnes Stahlseil sind hier über die Schluchten gespannt. Wir wandern eine knappe halbe Stunde auf den ersten Berg und stehen nun 150 Meter über einer Schlucht. So ein bisschen die Hose voll haben wir ja schon. Hält das Seil? Fall ich aus dem dünnen Gurt? Es hilft nichts, die Rolle im Stahlseil einklinken und einfach in die Tiefe stürzen.
Ein paar Sekunden später rutscht man 150 Meter über den Boden inmitten einer wundervollen Landschaft durch die Luft. Die Aussicht ist atemberaubend. Wir sind den ganzen Vormittag unterwegs, wandern, klettern und zippen durch die Gegend, machen lustige Bilder und haben eine Menge Spaß mit unserem Guide Ben.
Mit einem Grinsen im Gesicht starten wir zur letzten Etappe zum Machu Picchu. Wir laufen entlang der Eisenbahnlinie von Santa Theresa nach Aquascaliente, dem Dorf am Fuße des Machu Picchu. Die Wanderung geht 3-4 Stunden durch das Tal, immer am Fluss entlang und umgeben von Bergen. Die Strecke ist wirklich empfehlenswert.
Aquascaliente wird von uns liebevoll Aquas-Touristica umgetauft. Jeder, der zum Machu Picchu möchte, muss erst hier durch und das merkt man auch. Es gibt ausschließlich überteuerte Restaurants, Kneipen und Märkte. Alles ist vollkommen überlaufen und man möchte am liebsten sofort wieder weg. Aber es hilft leider nichts.
Am nächsten Morgen stehen wir früh auf und fahren für viel Geld die letzten Kilometer zum Eingang von Machu Picchu. Das Wucherticket für 40 Dollar haben wir am Abend vorher schon gekauft, so kommen wir recht schnell in das alte Inkadorf. Das erste, was wir sehen, ist Nebel und wir dachten schon wir sind umsonst hier her gekommen. Nach einer großzügigen Runde, bei der wir auf wundersame Weise fast alleine sind, wird das Wetter besser.
Nüchtern betrachtet wird Machu Picchu völlig überbewertet. Es ist ein Inkadorf wie es hunderte in dieser Gegend gibt. Die meisten davon kann man sogar kostenlos besuchen. Warum sind wir also zusammen mit 1500 anderen Besuchern hier? Neben dem guten Marketing und dem Mythos um diese Inkastätte ist es wohl auch die wahnsinnige Lage. Versteckt auf einem Berggipfel, umringt von steilen Bergen. Spätestens wenn die letzten Wolken um den nächstgelegenen Huayna Picchu schweben, ist es um einen geschehen. Dieses Schauspiel kann man sich stundenlang ansehen. Es ist irgendwie mystisch und bezaubernd. So sitzen wir noch lange hier, beobachten die Ruinen und Wolken und haben Spaß mit den lokalen „Rasenmähern“ (Alpakas), bevor wir uns wieder auf den Heimweg machen.















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Sehr schöner Bericht! Danke.. Will auch hin ;)
Machu Picchu hat auch bei uns lange nachgewirkt. Und das Obwohl es eine reine “Touristenatraktion” ist.